Belzer

1884 gründete Robert A. Belzer ein Werkzeug-Export-Geschäft. Er belieferte hauptsächlich die nordischen Länder. 1912 übernahmen die beiden Kaufleute Walter Dörken und Walter Schlingensiepen das Geschäft, das damals seinen Sitz an der Hastener Straße 4 in Cronenberg (ab 1929 Teil von Wuppertal) hatte. Ob und welche Beziehung Walter Schliengensiepen zu ‚Meister & Schlingensiepen’ hatte, ist mir leider nicht bekannt.

Der 1. Weltkrieg und die zunehmende Technisierung erhöhten die Nachfrage und die Anforderungen an die Qualität. Insbesondere die neue Automobilindustrie schuf neuen Bedarf, sodass Belzer 1920 eine eigene Produktion aufnahm. Das Unternehmen hatte etwa 100 Mitarbeiter.

1925 wurden die ersten Schraubenschlüssel, Schraubendreher und Zangen aus hochwertigem Vanadium-Stahl hergestellt und zunächst unter der Markenbezeichnung ‚Eigenheim’ verkauft. Der Katalog von 1937 umfasste auf 200 Seiten mehrere Tausend Werkzeuge, Belzer produzierte mit 290 Mitarbeitern vor allem Spezialwerkzeuge für den Automobil- und Fahrzeugbau, für die Luftfahrt und die Maschinenindustrie, zwischenzeitlich auch unter der Marke ‚Becro’.

1943 wurde das Verwaltungsgebäude an der Hastener Straße zerstört, die Produktionshallen blieben vor den Bombenangriffen glücklicher Weise verschont und so konnte die Produktion nach dem Krieg schnell wieder anlaufen. Das Sortiment wurde mit neuen Werkzeugen für spezielle Berufe (wie Uhrmacher, Optiker, Radio- und Fernmeldetechniker) erweitert. Ende der 1950er Jahre wurden wieder 60% der Produktion exportiert, die Zahl der Beschäftigten stieg auf 650. Der Erfolg führte dazu, dass das Belzer-Werk wieder erweitert werden musste.

Mit 1. Oktober 1970 verkauften die Eigentümerfamilien Belzer an die teilstaatliche Saarbergwerke AG. Belzer wurde 1974 mit der Remscheider Werkzeugfabrik Dowidat zur DWU (Deutsche Werkzeug-Union) verschmolzen. Während Belzer primär Werkzeuge für die Luftfahrtindustrie sowie Forschung und Entwicklung lieferte, konzentrierte sich Dowidat eher auf die Ausstattung von Industrie und Handwerk. Es entstand auch eine gemeinsame Marke „Belzer-Dowidat“. 1977 berichtete der ‚Spiegel’, dass das Unternehmen ‚mit 100 Millionen Mark Umsatz als Marktführerin in der Werkzeugbranche gilt’ und ‚nach vielen verlustreichen Jahren 1976 mit gut 500.000 Mark in die Gewinnzone’ rückte (1).

1988 kaufte der schwedische Bahco-Konzern die DWU. 1991 wurde Bahco wiederum von der 1862 gegründeten Sandvik-Gruppe, einem der größten europäischen Hersteller von Werkzeug, übernommen. Die Firma lautete somit ab Oktober 1991 Sandvik-Belzer und versprach sich eine verbesserte Marktstellung und eine sichere Zukunft für ihre insgesamt 500 Mitarbeiter (davon über 200 in Wuppertal).

Schon 1993 wurden in Wuppertal allerdings 70 Beschäftigte entlassen, die Produktion von geschmiedeten Produkten nach Hasborn, dem zweiten Betriebstandort, verlagert. 1997 wurde Hasborn im Saarland geschlossen und die Produktion nach Argentinien verlegt. Die verbliebenen 140 Mitarbeiter in Cronenberg produzierten noch Schraubendreher und Werkstattwagen. Die Klage einer Anrainerin wegen Geruchsbelästigung der seit 1989 betriebenen Lackieranlage gefährdete 1996 den Verbleib der Firma am Standort. 1997 wurde die Verwaltung aufgegeben und am Hauptsitz in Schweden zentralisiert. Wiederum gingen weitere 40 Arbeitsplätze verloren. Im Juni 1999 verkaufte Sandvik dann den Geschäftsbereich ‚Sägen und Werkzeuge’ – und damit auch ihren Cronenberger Betriebsteil – an den 1920 gegründeten amerikanischen Werkzeug-Konzern ‚Snap-on’.

Grundstück und Gebäude in Wuppertal wurden um 2000 von der Wuppertaler Wirtschaftsförderungsgesellschaft gekauft und seither als Gewerbepark betrieben. Eine der dort ansässigen Firmen war immer noch Sandvig-Belzer, bis 2004 auch die Schraubendreherproduktion – die letzte verbliebene Werkzeugherstellung – nach Spanien verlagert wurde.

2005 fusionierte Snap-on die 1995 erworbene Herramientas Eurotools SA und die Bahco Group AB zur SNA Europe Group.

Leer stehende Gebäude auf dem ehemaligen Firmengelände in Wuppertal dienten 2015 als Flüchtlingsunterkünfte, das Verwaltungsgebäude wurde auch entsprechend adaptiert. In Südamerika wird heute (2018) noch Werkzeug der US-Apex Tool Group unter der Marke Belzer verkauft.

Tests

  • 8800 0,8×5×125 – Schlitzschraubendreher, Vanadium-Extra
  • 8800 VSM 6,5×140? – Schlitzschraubendreher, Vanadium-Extra
  • 8806 1,6×10×175 – Schlitzschraubendreher mit Sechskant-Ansatz, Vanadium-Extra
  • 8950N – Umschaltknarre 3/4″

Siehe auch Sandvik Belzer.

Kaufen: 

(1) Der Spiegel 11/1977