St. Egydyer

Der in Suhl bei Thüringen geborene Büchsenmacher Jakob Fischer (1743 – 1809) fand auf seiner Wanderschaft in Und eine Anstellung, wohl in einer staatlichen Waffenwerkstätte. Er errichtete 1775 – nach anderen Angaben 1780 – in Rehberg bei Krems ein eigenes Hammerwerk. 1788 kaufte er ein Hammerwerk in Traisen, laut einem technologischen Handbuch von Karl Karmarsch soll sein Unternehmen bereits 1788 ‚die älteste größere Feilenhauerei‘ gewesen sein, also Feilen bereits handwerklich hergestellt haben. Auf Grund seines Geschäftserfolges übersiedelte er ca. 1793/94 in ein größeres Werk in Hainfeld. 1801 kam ein neu errichtetes Werk in Furthof dazu und so erzeugte er in den Werken Furthof und Hainfeld neben Säbeln und ev. Gewehren auch Feilen fabrikmäßig. 1803 kaufte er eine Eisenhütte in Niederalpl, um die Stahlproduktion sicherzustellen. Anfang des 19. Jahrhunderts arbeiteten bereits 200 Mitarbeiter in den 3 Werken.

Jakobs Sohn Daniel Fischer (12.07.1773 – 30.06.1833) führte die Produktion von Säbeln und den ‚berühmten Ankerfeilen‘ fort. 1825 kaufte er gemeinsam mit Martin Miller (Mühler) (28.04.1769 – 21.04.1833), der 1804 in Gumpendorf den ersten Tiegelstahlofen Österreichs in Betrieb genommen hatte, eine Schmiede in St. Aegyd und errichtete dort ein Stahlwerk.

Zu dem schweizer Unternehmer Johann Conrad Fischer (14.09.1773 – 26.12.1854), der 1827 ebenfalls in Hainfeld eine Stahlgießerei einrichten ließ (oder das Werk von Daniel Fischer kaufte?), wie auch 1833 eine in Traisen (auch von Daniel Fischer?) und 1839 eine Salzburg, konnte ich keine weitere Verbindung entdecken, außer dass das Unternehmen viel später die Marke dessen Sohnes Georg I. bzw. Enkels Georg II. übernahm. In Traisen gibt es heute (Stand 2018-10) übrigens noch immer ein Nachfolge-Unternehmen des schweizer Fischer-Unternehmens, die Georg Fischer Fittings GmbH.

Daniels Sohn Anton Fischer (27.06.1812 – 07.04.1902) war mit den Unternehmen weiterhin sehr erfolgreich und engagierte sich auch sehr im sozialen Bereich. Ihm wurde deshalb der Titel ‚Ritter vom Anker‘ (nach anderen Angaben ‚Ritter von Ankern‘) verliehen. 1866 erwarb er das Eisenwerk Aumühl bei Kindberg. 1869 verkaufte er den gesamten Besitz an die St. Egydy und Kindberger Eisen- und Stahl-Industrie-Gesellschaft, die ab 1887 in den Besitz von Karl Wittgenstein fiel (der 1897 eine Aktienmehrheit an der Österreichisch-Alpine Montangesellschaft, zu der seit ihrer Gründung 1881 auch die St. Ägidi-Kindberger Montangesellschaft gehörte, erwerben konnte).

1898 kam es zur Übernahme der Aktienmehrheit der St. Egydyer Eisen- und Stahl-Industrie-Gesellschaft durch die Gebr. Böhler & Co., wodurch die sich seit 1891 im Böhler-Konzern befindliche konkurrierende Marke ‚G. Fischer‘ bzw. die G. Fischer’sche Feilenfabrik in Hainfeld, sowie die Fabrikseinrichtung, Maschinen, Betriebsmaterialien und Halbfabrikate aus der Feilenfabrik Böhler-Werk bei Waldhofen a.d. Ybbs in das Unternehmen gelangten.

1905 wurde auch die Erzherzogliche Feilenfabrik in Friedeck übernommen.

1982 beendete das Werk in Furthof, das nach der Eröffnung der Traisentalbahn 1893 im Jahr 1907 über 600 Mitarbeiter hatte und 1978 von der Voest Werkzeug u. Draht AG übernommen worden war, die Feilenproduktion und verlagerte die Produktion auf den Kunstoffsektor (Plastikflaschenerzeugung, Containererzeugung und Fernwärmerohrausschäumung). Mit mit 28. Februar 1986 wurde das Werk geschlossen.

Das Werk in St. Aegyd am Neuwalde, ebenfalls seit 1978 im Besitz der Voest Werkzeug u. Draht AG (ab 1984 Voest Alpine St. Aegyd AG), das 1982 mit der Entwicklung und Produktion von Schalldämpfern begonnen hatte, firmiert nach einer Übernahme 1990 heute (Stand 2018-10) als Roth-Technik Austria (RTA).

Die Wiener Zeitung Nr. 041 / 28. Februar 2018 berichtete: ‚Die St. Egydyer – Feilen und Präzisionswerkzeuge Gesellschaft m.b.H., FN 71062d, mit dem Sitz in Langenzersdorf und der Geschäftsanschrift 2103 Langenzersdorf, Praunstraße 92, wurde aufgelöst und ist in das Stadium der Liquidation getreten.‘

Das offensichtlich nur noch als Großhändler fungierende, in dieser Form 26 Jahre alte Unternehmen hatte wohl die Telefonnummer +43 2244 29901-0, die Faxnummer +43 2244 29640 und die Email-Adresse info@selectabohrer.at.

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